Batman und Einstein in einer Person
Die Szene, in der sich die Wege von Goethe und Christiane Vulpius trennen, wird an diesem Vormittag noch ein paar Mal wiederholt. Regisseur Otto achtet darauf, dass der Schauspieler nicht zu schnell durch das Bild läuft. Mit seinem blauen Mantel, den weißen Strümpfen und dem Zylinder sieht Spiess aus, als wäre der Dichterfürst wiederauferstanden. In Berlin spielt der 1972 geborene Schauspieler regelmäßig am Kindertheater „Atze“. Demnächst wird er dort als Vater von Albert Einstein zu erleben sein. Daneben arbeitet Spiess als Synchronsprecher und wurde zuletzt für die deutsche Kinofassung des neuesten Batman-Abenteuers „The Dark Knight“ engagiert. Viele Details aus dem Leben Goethes waren ihm vor Beginn der Dreharbeiten nicht geläufig, bekennt er. „Mir geht es darum, den Menschen hinter der historischen Persönlichkeit zu entdecken“.
"Er sieht echt gut aus!"
Zu den beiden Schauspielern gesellt sich später noch Marianne Sonneck. Die Österreicherin spielt die Herzogin Anna Amalia. Mit zwei kleinen Holzklötzen markiert sie die Stelle, an der sie laut Drehbuch abrupt ihren Blick wenden soll. Im Schatten der Bäume ist es trotz der vereinzelten Sonnenstrahlen noch empfindlich kühl. Die Schauspielerin hilft sich mit heißem Tee. Eine faszinierende Frau, sagt sie über Herzogin Anna Amalia. In Sondershausen steht sie das erste Mal für eine Fernsehproduktion vor der Kamera. Von „ihrem“ Goethe ist sie hingerissen: „Er sieht echt gut aus!“. Sonst tourt Sonneck mit ihrem eigenen Ensemble „Club Real“ durch Deutschland und Europa.
Ein Italiener provoziert
Mit „Glück ohne Ruh – Goethe und die Liebe“ ist die Jubiläumsstaffel der „Geschichte Mitteldeutschlands“ aktueller denn je. Die ersten Ideen für einen Film über den Dichter und sein Verhältnis zu den Frauen stammen schon aus dem Jahre 2004. „Da waren wir dem Zeitgeist mal voraus“, sagt Drehbuchautorin Winifred König. Der 45-minütige Film sucht nach Antworten auf die Frage, welche Rolle die Frauen in Goethes Leben gespielt haben. Seine erste Liebe erlebt er in Leipzig mit der Gastwirtstochter Anna Katharina „Käthchen“ Schönkopf. Unter der Trennung habe Goethe schwer gelitten, erzählt Winifred König, „sogar mit ernsten gesundheitlichen Folgen“.
Wer im Internet nach Goethe und seinem Verhältnis zu Frauen sucht, wird schnell fündig. Über eine Million Einträge listet eine bekannte Suchmaschine auf. Das Thema scheint von anhaltendem Interesse zu sein, werden dem Dichter doch zahlreiche Affären nachgesagt. Zuletzt haben die provokanten Thesen des Deutsch-Italieners Ettore Ghibellino in der Germanistenzunft eine Menge Staub aufgewirbelt. Glaubt der Jurist doch beweisen zu können, dass Goethe eine Affäre mit seiner Herzogin Anna Amalia gehabt hat. Autorin König befragte für den Film auch Ghibellino, den inzwischen auch die mächtige Klassik Stiftung Weimar zur Kenntnis nimmt. Die Aufregung um dessen Thesen sieht Winifred König gelassen. Einiges erscheine ganz plausibel, anderes sei ganz hanebüchen, sagt sie.
„Glück ohne Ruh – Goethe und die Liebe“ wird am 16. November um 20.15 Uhr im MDR Fernsehen gezeigt.
Pressemitteilung © OTTONIA Media GmbH 10/2008