Nah dran am Thema
Für die Fotografen postiert sich Kausch vor dem Logo, das an eine Wand aus Ziegelsteinen projiziert wird. Es sieht so aus, als ob gleich die Zeitmaschine angeworfen wird und die Reise in die Vergangenheit beginnt. Dieser Gedanke ist von Regisseur Tom Ockers, der das Magazin für die OTTONIA Media GmbH inszeniert, gewollt. Das Konzept der Sendung sieht vor, zum jeweiligen Thema mindestens einen neuen Fakt zu präsentieren. Das setzt intensive Recherche voraus. Für die zweite Sendung präsentiert Thomas Kausch ein Dokument aus dem Russischen Staatsarchiv in Moskau, das belegt, dass die Rote Armee 1945 durchaus überlegte, das Weihnachtsfest ausfallen zu lassen.
Thomas Kausch ist von der ungewohnten Umgebung angetan. Nach drei Jahren im Sat.1-Nachrichtenstudio scheint er richtig froh sein, dass ihm wieder mal frische Luft um die Nase weht. „Für einen Moderator ist die natürliche Umgebung viel besser, weil man automatisch näher am Thema dran ist“, sagt er. Das neue Geschichtsmagazin will die Zuschauer mit auf eine Zeitreise nehmen und Geschichte spannend wie unterhaltend erzählen. Dass er als Moderator eines Geschichtsmagazins im falschen Fach wäre, sieht er nicht so. „Geschichte ist immer auch Politik“, sagt er, „und ich bin politischer Journalist.“ Mit einem ausgeprägten Interesse für die Geschichte. Im Pressetext zur Sendung steht zu lesen, auf dem Nachttisch des Moderators liege immer ein historisches Werk. Zurzeit liest er „Die Affäre Battenberg“ von Haralampi Oroschakoff, der über die Machtkämpfe im 18. und 19. Jahrhundert im Osmanischen Reich schreibt.
Lektüre auf dem Nachttisch
Seine Moderationstexte schreibt der 44-Jährige selbst. Seine Funktion als Moderator beschreibt er so: "Ich halte den roten Faden in der Hand und am Ende der Sendung ziehen wir ein Fazit. Die Premiere beschäftigt sich mit der Frage 'Die Nazis und die Mütter – was wollte Hitler wirklich?'. Dass hier eine aktuelle Debatte aufgegriffen wird, ist Absicht." Vieles, was in der Vergangenheit liegt, werde verklärt, sagt Kausch. Hier will „Geheimnis Geschichte“ aufklären statt verklären. Dass Geschichte unterhaltsam im Sinne von interessant sein kann, davon ist Kausch überzeugt. „Wir wissen schon lange, dass das Interesse unserer Zuschauer an Geschichte riesengroß ist.“
Dass der späte Sendeplatz um 23.30 Uhr die Zuschauer vergrault, glaubt Wolfgang Fandrich indes nicht. Er findet den Sendetermin wunderbar. Erst die Tagesthemen, dann „Hart aber fair“ und danach „Geheimnis Geschichte“. „Das ist eine adäquate Zeit für dieses Format“, sagt der stellvertretende Chefredakteur beim Mitteldeutschen Rundfunk. Nachdem Thomas Kausch seinen Schreibtisch bei Sat.1 unfreiwillig räumen musste, zögerten die Verantwortlichen bei der ARD nicht lange. „Format und Moderator passen sehr gut zusammen“, sagt Fandrich.
2008 geht es weiter
Als Kausch die Sendung „heute nacht“ im ZDF moderierte, wurde er für seinen Stil gerühmt – für den Schuss Ironie in der Präsentation. Einen neuen Stil will er für „Geheimnis Geschichte“ nicht erfinden. „Ich mache das wie immer“, sagt Kausch. Als das Angebot im Sommer kam, zögert er keine Sekunde. Nicht aus Verzweiflung, sondern weil er von der Idee überzeugt ist. Zwischen dem Rauswurf bei dem Privatsender und dem Engagement als Moderator der Themenabende beim deutsch-französischen Gemeinschaftssender ARTE war nur eine Woche vergangen.
„Ich mache gerade nur das, was mir Spaß macht“, sagt der 44-Jährige, der zurzeit keinen Drang zurück ins Nachrichtengeschäft verspürt. Das kann nicht jeder von sich behaupten. Manchmal schaut er noch die Sat.1-Nachrichten. Sentimental wird er dabei nicht. „Das Kapitel ist abgeschlossen.“ Für das neue Jahr ist eine Fortsetzung von „Geheimnis Geschichte“ schon verabredet. Auf Themen will sich Wolfgang Fandrich aber noch nicht festlegen. „Wir werden dabei die gesamte Bandbreite der Geschichte im Auge haben“, sagt er.
Pressemitteilung © OTTONIA Media GmbH 01/2008